| KONFUSIONEN von Alan Ayckbourn in der Inszenierung des Theater Münchner Freiheit Das Stück Wie reden wir eigentlich miteinander? Was sagen wir aus und was davon kommt beim Gegenüber an? Und nach dem Stück von Alan Ayckbourn fragt man sich dann zu Recht: Wozu um alles in der Welt reden wir überhaupt noch miteinander? In „Konfusionen“ verbinden sich drei eigenständige Einakter zu einem augenzwinkernden Blick auf die menschliche Kommunikation. Denn Kommunikation ist immer ein Spiel zwischen Sender und Empfänger, das nach festen Regeln funktioniert. Richtig witzig wird es dann, wenn beide Seiten nicht merken, dass sie nach unterschiedlichen Regeln spielen. Ayckbourn ist ein Meister darin, derlei „Konfusionen“ aus alltäglichen Situationen heraus zu komponieren. Er gibt damit die zur Farce erstarrten Rituale des gesellschaftlichen Umgangs der Lächerlichkeit preis. Die Absurdität der Geschehnisse wird erst im Kontext von ganz „normalen“ und jedem von uns so vertrauten sprachlichen und gesellschaftlichen Mustern voll entfesselt. Und nur der Zuschauer begreift in der Position des Allsehenden die größeren Zusammenhänge. Und lacht sich darüber kaputt. Die Szenen Mutterfimmel: Eine überforderte Barbesitzerin und Mutter kann nicht mehr umschalten auf ein Erwachsenengespräch. Als die besorgten Nachbarn vorbeischauen, werden sie zum Stillsitzen ermahnt und mehr als einen Keks gibt es nicht. Die junge Frau scheint ihnen zwar verwirrt, dennoch können sich die Gäste den eigenen Urinstinkten nicht entziehen und reagieren unwillkürlich auf die mütterliche Ansprache. Während die Nachbarin plötzlich anfängt zu petzen, muss der Nachbar lernen sich zu entschuldigen, weil er frech war. Beide reagieren zwar mit erwachsener Sprache, aber doch wie die kleinen Kinder... Zwischen zwei Bissen: Ein fleißiger Angestellter sitzt mit seiner Frau zufällig in der gleichen Bar wie sein erfolgreicher Boss und dessen junge Gattin. Beide Paare sitzen an getrennten Tischen. Den jungen Handwerker im Lokal halten sie automatisch für den Kellner. Dieser findet sich unversehens wieder, wie er die Gäste bedient. Der Zuschauer hört dabei immer nur den Teil der Dialoge an den Tischen, den auch der versehentliche Kellner hört. Und kann sich langsam aus den Puzzlestücken der Konversation ein überraschendes Bild zusammen setzen. Die Wohltätigkeitsveranstaltung: Die letzten Vorbereitungen der ehrenamtlichen Organisatoren für das Fest laufen auf Hochtouren und nichts klappt so wie geplant. Auch das Mikro funktioniert erst in dem Moment, als es ganz und gar nicht hätte funktionieren dürfen... Und so fegt das plötzlich einsetzende Gewitter nicht nur die Festaufbauten weg, sondern auch die Masken der freundlichen Gemeindemitglieder. Der Autor Sir Alan Ayckbourn (geb. 1939 in London) war ursprünglich Schauspieler, bevor er zu Großbritanniens häufigst gespieltem Gegenwartsdramatiker wurde. Für seine Stücke ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Bis heute hat der Autor 71 Stücke geschrieben, die in 33 Sprachen übersetzt wurden. Wie sein berühmter Kollege Shakespeare leitet Ayckbourn ein eigenes Theater in Scarborough, einem Badeort an der englischen Nordküste. Seine Stücke sind unterhaltsamen Komödien, aber doch Theater mit Tiefgang, das zwischendurch die ohnehin schmalen Grenzen zur Tragödie durchaus zu überschreiten scheint. Zentrales Thema Ayckbourns sind die schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen. Neben unwiderstehlicher Situationskomik versteht sich Ayckbourn auch meisterhaft auf den Wortwitz. Die Inszenierung und die Regisseurin Evelyn Plank hat die skurrile Komödie mit dem Theater Münchner Freiheit inszeniert. Die Schauspielerin, die ihre Erfahrung unter anderem in sieben Jahren am Volkstheater an der Seite von Ruth Drexl und auch in Fernsehproduktionen wie dem Tatort gesammelt hat, hat mit dem Theater Münchner Freiheit ihren Wechsel zur Regie vollzogen und diesen mit „Konfusionen“ als zweite Produktion zementiert. Die ursprünglich fünf Szenenbilder von Alan Ayckbournes „Konfusionen“ wurden zu drei lose verknüpften Geschichten verdichtet. Eine Besonderheit der Inszenierung ist, dass alle drei Bilder in der gleichen Szenerie stattfinden – einer Bar, die Schauspieler und Zuschauer zusammen in ein gemeinsames Bühnenbild setzt. Die Bar wirkt damit wie eine bislang fehlende inhaltliche Klammer und gibt den Szenen einen neuen gemeinsamen Kontext. Die Konfusionen werden dadurch allerdings nicht weniger, sondern eher noch unterstrichen. Ensemble: Ralph Baedecker als Harry/Gebauer Judith C. Gorgass als Lucy/Milli Stephanie Jakob als Frau Pirsch Joseph Pfitzer als Hausmeister Monika Oswald als Erika Weber Wulf Schmid Noerr als Hr. Pirsch Michael Sailer als Toni/Stefan Eileen Schäfer als Rosemarie Regie: Evelyn Plank Regieassistenz: Uta Maiwald/Catharina v. Harsdorf Maske und Kostüm: Sabrina Hellmig Bühnenbild: Marion Schubert Licht: Hans Barth Ton: Chris Möller Fotos, Flyer: Fredl Goess Texte: Stephanie Jakob zurück
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